18. Okt.

Herbstfahrt 2010: Oberstdorf

Montag, 18. Oktober ab 10:15 Uhr bis Samstag, 23. Oktober gegen 22 Uhr

Treffpunkt: 
Düsseldorf Hbf, Gleis 15
Alter: 
8–18 Jahre
Eigenbeteiligung: 
175 €
Betreuer: 
Nicole, Christian, Manuel, Michael, Patrick
Jugendherberge Oberstdorf-Kornau, Kornau 8, 87561 Oberstdorf, Bayern,

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5 sind mitgekommen

  • Nadines Benutzerbild Nadine
  • Patricks Benutzerbild Patrick
  • Manuels Benutzerbild Manuel
  • Christians Benutzerbild Christian
  • Nicoles Benutzerbild Nicole

Anmeldung (PDF, 119 KB)

Infoblatt für die Teilnehmenden (PDF, 127 KB)


Als Herbstfahrer kommt man herum im Land: Ging es 2008 noch ganz in den Osten nach Dresden und 2009 hoch in den Norden an die Ostsee nach Ribnitz-Damgarten, war 2010 die südlichste Gemeinde Deutschlands das Ziel von 17 Kindern zwischen acht und 17 Jahren und ihren fünf Betreuern: Oberstdorf.

Direkt an der Grenze zu Österreich und mit einer einmaligen Aussicht auf die umliegenden Berge, bot sich das Wanderparadies nach zwei Herbstfahrten im weitgehend platten Land förmlich an. Für sechs Tage war die Jugendherberge im Oberstdorfer Stadteil Kornau unser Zuhause – knapp fünf Busminuten vom Stadtzentrum entfernt und dennoch fernab vom Trubel einer Touristenhochburg.

Montag

Auf der Herbstfahrt versucht der Jugendausschuss jedes Jahr aufs Neue, für möglichst viele Kinder des Schwimmvereins ein abwechslungsreiches und spannendes, spaßiges, aber auch lehrreiches Programm zusammenzustellen. Dass man es dabei nicht in jedem einzelnen Punkt allen recht machen kann, ist unvermeidlich – und das fängt schon bei der Hinfahrt an: Trafen wir uns in den Vorjahren – sehr zum Missfallen der meisten Kinder – schon früh am Morgen oder sogar mitten in der Nacht am Düsseldorfer Hauptbahnhof, durften dieses Mal alle etwas länger schlafen, weil der Zug erst um kurz vor 11 Uhr losfuhr. Das wiederum gefiel den arbeitenden Eltern natürlich gar nicht. Schnell waren aber im Vorfeld Fahrgemeinschaften gebildet worden, sodass alle 22 Herbstfahrerinnen und Herbstfahrer pünktlich um 10:15 Uhr am Aufgang zu Gleis 15 versammelt waren.

Die Verabschiedung von den Eltern und Geschwistern musste danach trotzdem schnell gehen, denn sogar der Zug verzichtete auf eine Verspätung – und schon fuhren wir an der wunderschönen Strecke entlang des Rheins Richtung Süden. Dennoch wurden Sehenswürdigkeiten wie der Kölner Dom, die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz oder das Heidelberger Schloss dank der Rundumversorgung mit technischen Geräten aller Art eher uninteressiert zur Kenntnis genommen.

Gegen Nachmittag fuhren wir langsam aus der Rhein-Neckar-Region heraus in höhere Gegenden, deutlich wahrzunehmen durch den wachsenden Druck auf den Ohren und den ständigen Wechsel zwischen Dunkel und Hell (Tunnel/Nicht-Tunnel). In Stuttgart konnten wir uns aus erster Hand davon überzeugen, dass der Bahnhof noch stand und in Ulm fuhren wir am höchsten Kirchturm der Welt vorbei, an dem die Kinder natürlich sofort die gotischen Spitzbögen herausstellten.

Auf dem letzten Stück der Reise machten wir noch in Sonthofen einen Zwischenhalt und waren dann auch schon sehr pünktlich in Oberstdorf, von wo aus ein Bus uns zur Jugendherberge fuhr. Wir verstauten unsere Sachen schnell in einem Aufenthaltsraum und gingen direkt zum Abendessen über. Große Überraschung: Es gab Spaghetti Bolognese. Die kulinarische Kreativität der Jugendherbergen erfreut jedes Mal aufs Neue. Im Anschluss ans Essen gab es noch ein paar kurze Kennenlernspiele; dann war es schon 22 Uhr und damit Nachtruhe angesagt.

Dienstag

Am nächsten Morgen rief uns der Berg. Na ja, eigentlich nicht, aber wir folgten seinem Ruf trotzdem: Um 9:30 Uhr fuhren wir mit dem Bus ins Kleinwalsertal, einem Gebiet, das zwar zu Österreich gehört, aber von so hohen Bergen umgeben ist, dass seine einzige Straßenverbindung direkt nach Oberstdorf führt. Solche Gebiete, die zwar innerhalb eines Staates liegen, aber nur von einem anderen Staat aus zugänglich sind, nennt man funktionale Exklaven.

In Riezlern, dem größten Ort des Tals, stiegen wir dann in die Kanzelwandbahn, die uns von 1087 auf 1957 m und mitten hinein in tiefen Schnee transportierte. Von dort konnten wir das Gipfelkreuz der Kanzelwand schon sehr gut sehen – immerhin sind nur noch knapp 100 m Höhenunterschied zu überwinden, die wir auch sogleich in Angriff nahmen. Der Aufstieg war zwar recht beschwerlich und ging teilweise sehr nah am Abgrund vorbei, aber die Aussicht war es wirklich wert. Wir waren auf dem Gipfel fast alleine und verbrachten fast eine halbe Stunde dort. Der anschließende Abstieg erforderte wegen akuter Rutschgefahr noch mal alles von uns, aber die anschließende Wanderung genau auf der deutsch-österreichischen Grenzen hin zum 2037 m hohen Fellhorn war dann zum Glück entspannter – zumal wir auch gar nicht bis ganz nach oben gingen, sondern uns mit der Fellhornbahn von 1957 auf 1780 m abseilten.

Ab dort gab es sogar einen asphaltierten Weg, der uns direkt zur Alpe Schlappold führte, wo wir ein paar Gläser frischen Joghurt probierten. Auf einem anderen Weg ging es dann wieder zur Mittelstation der Fellhornbahn und von dort hinunter in den Oberstdorfer Ortsteil Faistenoy. Der dort verkehrende Bus brachte uns zurück nach Oberstdorf und nach einem weiteren Umstieg waren wir pünktlich zum Abendessen wieder in der Jugendherberge.

Mittwoch

Beim Frühstück wurde klar: Noch mehr als am Vortag war warme Kleidung vonnöten, denn ein Blick aus dem Fenster offenbarte, dass es kräfitg zu schneien begonnen hatte, was das Gefühl der völligen Abgeschiedenheit noch verstärkte. So gingen wir zunächst davon aus, dass eine Wanderung in der eingeschneiten Breitachklamm sehr schön werden würde und wanderten mit einiger Vorfreude entlang der Breitach dorthin. Doch schon auf dem Weg mischte sich in den Schnee immer wieder Regen und auch der Untergrund war eher Matsch als fester Schnee.

Völlig durchnässt kamen wir also schon an der Klamm an und so war für viele die Hauptbeschäftigung, von einem Fels über dem Kopf zum nächsten zu hechten, um nicht noch nasser zu werden. Der Blick auf die reißende Breitach und die bis zu 150 m hohen, steil aufragenden Felswände blieb dadurch natürlich leider auf der Strecke. Die 2,5 km lange Klamm hatten wir in Rekordzeit durchquert und kamen so an einem Restaurant am Eingang zum Kleinwalsertal aus, von wo aus wir wiederum mit dem Bus zurück nach Oberstdorf fuhren.

Eigentlich war als nächstes der Besuch einer Sommerrodelbahn geplant, aber nach Sommer sah das Wetter nicht gerade aus und uns war nach Rodeln entsprechend nicht zumute, deshalb machten wir einen unvorhergesehenen Zwischenstopp in der Jugendherberge, um unsere völlig durchnässte Kleidung und die teilweise frierenden Kinder zu trocknen und aufzuwärmen. Nach mehr als einer Stunde waren die meisten wieder einigermaßen auf Trab und so machten wir uns auf den Weg zur Auftaktschanze der Vierschanzentournee, der Schattenbergschanze. Wir hatten uns auch schon bis zum Eingang durchgeschlagen, entschieden dann jedoch wegen des immer regnerischeren Wetters, dass ein trockener Ort nun die bessere Alternative sei. So landeten wir – nach einem postkartenbedingten Abstecher ins Touristenzentrum am Marktplatz – im Oberstdorfer Heimatmuseum, das außer einem Dach und einer Heizung noch weitere tolle Eigenschaften hatte: interessante Ausstellungsstücke aus mehreren Jahrhunderten Oberstdorfer Geschichte. Ganzer Stolz des Museums ist der größte Lederschuh der Welt, die Faszination der Kinder zog aber eher ein echter ausgestopfter Wolpertinger auf sich: »Den gibts wirklich? Also wirklich wirklich?« Für mäßige Begeisterung sorgten dagegen diverse Einrichtungsgegenstände vergangener Jahrhunderte wie ein typisch Oberstdorfer Stuhl oder die üppige Sammlung von Bergsteigerutensilien vergangener Oberstdorfer Kletterhelden. Nach ausgiebiger Begehung der vielen thematisch gegliederten Zimmerchen auf drei Etagen machten wir uns auf den Rückweg zur Jugendherberge. Am Ende des Tages waren die Kinder zwar platt, aber wenigstens nicht mehr nass – und so war die Laune bei den abendlichen Spielen in der großen Runde doch recht gut.

Donnerstag

Weil der Bus für die anderthalb Stunden lange Reise zum Schloss Neuschwanstein für 10:15 Uhr reserviert war, mussten wir am Donnerstag erst eine halbe Stunde später aufstehen als an den übrigen Tagen. Gerüchte, nach denen die Kinder dafür am Vorabend eine halbe Stunde länger aufgeblieben waren, müssen aber mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Nach dem wetterbedingten Katastrophentag hatte sich das Wetter wieder für Sonnenmodus entschieden – ein Grund zur Freude auch für die vielen Fotokameras, die die Reise in den Rucksäcken der Kinder angetreten hatten.

Während wir durch Nesselwang und Pfronten fuhren, konnten wir beim Blick aus den Busfenstern die Zugspitze erkennen. Leider tummelten sich aber sowohl am Fuß als auch um die Spitze dichte Wolken, doch selbst der Mittelteil sah schon ziemlich hoch aus, immerhin.

Weil wir bei der Ankunft im Schwangauer Stadtteil Hohenschwangau noch genügend Zeit bis zur Führung in Neuschwanstein hatten, legten wir kurzentschlossen die kurze Strecke zum »Elternschloss« Hohenschwangau zurück und wurden dort mit einer wunderbaren Aussicht bei bestmöglichem Wetter belohnt. Für eine Führung bekamen wir zwar leider keine Karten mehr, aber auch von außen ist Hohenschwangau in seiner Funktion als Fotomotiv nicht zu unterschätzen.

Im Schloss Neuschwanstein durften wir uns dann wie ganz normale Touristen fühlen und wurden als eine von dutzenden Besuchergruppen im Akkord durch die wenigen der Öffentlichkeit zugänglichen Räume geschleust. Fotografieren war natürlich verboten und ebenso natürlich konnte man das Schloss nicht verlassen, ohne durch den unvermeidlichen Souvenirladen zu gehen.

Der Rückweg zum in Hohenschwangau parkenden Bus wurde dann noch mal etwas stressiger, da drei der Betreuer unbedingt noch ein paar Fotos von der eigentlich abgesperrten Marienbrücke auf Neuschwanstein machen mussten. Wie üblich ging aber alles gut, niemand ist ausgerutscht, alle waren (fast) pünktlich wieder am Bus und die Herbstfahrer nach einem sehr entspannten Tag etwas zu früh wieder in der Jugendherberge, sodass es bis zum Abendessen noch etwas Zeit zum Hinlegen gab.

Freitag

Am letzten vollständigen Tag in Oberstdorf holten wir nach, was am Mittwoch wegen des Wetters leider nicht geklappt hat: Wir drehten ein paar Runden auf der Rodelbahn. Das Wetter dafür war perfekt: Der Schnee war nicht mehr matschig und die Sonne nicht mehr von Wolken verhangen. Eigentlich waren nur zwei Durchgänge geplant, aber manchen bereitete es so viel Freude, dass sie gleich noch einen dritten Durchgang haben mussten.

Im Anschluss an die Rodelbahn sind wir durch den Wald zur Heini-Klopfer-Skiflugschanze gewandert.

Im engen Schrägaufzug fuhren wir auf den 72 m hohen Turm – das ist, so frei schwebend über dem Boden, eine Aussicht, die zwar spektakulär ist, für die man aber schwindelfrei sein muss: Richtung Norden ist der Freibergsee zu sehen und Richtung Osten schaut man die drittgrößte Flugschanze der Welt hinunter, auf der schon viele Weltrekorde geflogen wurden.

Da es einige Käseliebhaber in der Gruppe gab, sind wir anschließend zu einer Sennerei in Schwand gewandert. Zurück gingen wir dann wieder an der Skiflugschanze vorbei über einen abenteuerlichen Schleichweg hinunter zur Bushaltestelle, von wo wir zurück in die Oberstdorfer Innenstadt bugsiert wurden und etwa anderthalb Stunden Zeit hatten, endlich einmal den Ort näher kennenzulernen, der uns fast eine Woche beherbergte. Die kleinen Gruppen schlugen zwar jeweils andere Wege ein, aber da Oberstdorf nicht allzu groß ist, war ein gelegentliches Aufeinandertreffen beinahe unvermeidlich. Die beiden Hauptbeschäftigungen waren eindeutig entspanntes Sitzen in Cafés oder auf Bänken, um die Füße mal ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen, und zum anderen ein hektisches Hetzen von Laden zu Laden, um letzte Souvenirs und Erinnerungsstücke zu ergattern.

Nach einem letzten Abendessen in der Jugendherberge (Gyros mit Reis, wie an den Vortagen sehr lecker) nutzten wir die Zeit bis zur abendlichen Spielerunde für ein kollektives Kofferpacken, da uns am Samstag nach dem Frühstück nicht mehr viel Zeit blieb, bis der Bus zum Oberstdorfer Bahnhof abfuhr.

Samstag

Der Himmel war zwar wolkenverhangen, aber als sich der Zug gegen 9:30 Uhr in Oberstdorf für die Rückfahrt in Bewegung setzte, gaben die schneebedeckten Gipfel noch eine letzte begeisternde Erinnerung an die vergangenen Tage.

Zur Mittagszeit kamen wir in Stuttgart an. Anders als auf der Hinfahrt stiegen wir dort aus, um nach all der provinziellen Weite zum Abschluss der Herbstfahrt auch noch etwas Großstadtluft zu schnuppern. Und eine ganz besondere Atmosphäre lag tatsächlich über der Stadt: Die Proteste für und gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 fanden zu dieser Zeit ihren Höhepunkt; überall waren Menschen mit Luftballons, Aufklebern und Plakaten zu sehen und am Schlossplatz gerieten wir sogar in eine große Pro-Stuttgart-21-Kundgebung. Nachdem wir uns die Altstadt auf eigene Faust schon ein wenig angeschaut hatten, stieß eine Stadtführerin zu uns, die uns noch einmal professionell die wichtigsten Orte, Plätze und Gebäude zeigte und ihre Geschichten anschaulich erklärte.

Zum Abschluss gab sie uns noch den Tipp, dass das Essen in der Kantine der Stuttgarter Staatsoper sehr gut schmecke. Das mussten wir natürlich sofort überprüfen. Nur: Sofort ging leider nicht, weil die Kantine erst später aufmachte. So vertrieben wir uns die Zeit im Oberen Schlossgarten mit ein paar Spielen und schauten weiter dem bunten Protesttreiben um uns herum zu. Schließlich konnten wir uns vom Tipp der Stadtführerin aber doch überzeugen: Für uns glänzte das Essen vor allem durch Fülle. So reichlich war es, dass es – nachdem wir zwischen der Ankunft in Stuttgart und der Stadtführung noch viel zu viel Zeit hatten – zeitlich sogar ziemlich eng wurde und wir den Weg zurück zum Bahnhof im Laufschritt und recht lautstark zurücklegten. Das fiel aber nicht weiter auf, es waren ja sowieso ziemlich voll und hektisch, während Trillerpfeifen und Rufe zu hören waren. Größere Probleme bereitete uns dann aber noch, dass auch direkt vor und im Stuttgarter Hauptbahnhof demonstriert wurde, deshalb hatten wir Schwierigkeiten, rechtzeitig zum Bahnsteig zu kommen, zumal die Zugänge zu den Gleisen auch noch von Polizisten kontrolliert wurden und wir eigentlich erst unsere Billets hätten vorzeigen mussten, die in den Schließfächern an den Gleisen verstaut waren. Wir konnten den Beamten aber schließlich glaubhaft vermitteln, dass sie es bei uns nicht mit gewaltbereiten Demonstranten zu tun hatten und so schafften wir es doch noch rechtzeitig in den Zug.

Danach kehrte wieder Ruhe in die Gruppe ein, zumindest bis zum nächsten Umstieg. Unser IC hatte bei der Einfahrt in den Kölner Hauptbahnhof um kurz nach 21 Uhr nämlich zehn Minuten Verspätung. Zum Glück überzeugte auch der Anschlusszug nach Düsseldorf nicht durch Pünktlichkeit, alles ging also gut. In Düsseldorf wurden wir dann von den Eltern begeistert empfangen. Die Kinder teilten diese Begeisterung zwar innerlich bestimmt, äußerlich aber standen da 17 ziemlich müde Kinder und auch die Betreuer konnten sich kaum noch auf den Beinen halten. Somit war klar, was der letzte Tagesordnungspunkt der Herbstfahrt 2010 nach Oberstdorf sein würde: Schlafen.

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